2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009

15 January 2016

Researchers uncover multiple adaptations to temperature in birds and mammals...

Press Releases

Wie die Katze nach „down under“ kam

Europäer schleppten Katzen nach Australien ein

Frankfurt, den 7.12.2015. Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben gemeinsam mit einem internationalen Team die Einschleppung von Katzen nach Australien untersucht. Sie kommen anhand von DNA-Untersuchungen zu dem Schluss, dass die Katzen von europäischen Siedlern im 18. Jahrhundert eingeführt wurden. Heute zählen die wildlebenden Katzen zu einer der größten Bedrohungen der australischen Artenvielfalt. Die Studie wurde kürzlich im Fachjournal „BMC Evolutionary Biology“ veröffentlicht.

Etwa 30 Millionen wilde Katzen gibt es in Australien; auf ihrem Speiseplan stehen kleine Säugetiere, Vögel und Reptilien. Verschiedener Studien zufolge sind die Tiere mitverantwortlich für das Aussterben von 27 Säugetierarten, und mehr als 100 weitere Tierarten sind aktuell von ihnen bedroht. „Früher war Australien ‚katzenfrei‘. Es gab dort über Tausende von Jahren so gut wie keine bodenwohnenden Raubtiere“, erklärt Dr. Katrin Koch vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt und ergänzt: „Dann wurde die Katze vom Menschen auf den australischen Kontinent eingeschleppt.“

Der Zeitpunkt dieser Invasion war bisher unbekannt: Eine Theorie besagt, dass die Tiere von europäischen Siedlern im späten 18. Jahrhundert eingeführt wurden, eine andere geht davon aus, dass die Katzen im Jahr 1650 aus Asien – im Gepäck malaysischer Seegurken-Fischer – nach Australien kamen.

Das Wissenschaftler-Team aus Australien, den USA und Deutschland hat nun die mitochondriale DNA und Mikrosatelliten – kurze, sich wiederholende DNA-Abschnitte – 266 wildlebender Katzen aus sechs Festland-und sieben Inselregionen untersucht und diese mit Proben von wilden Katzen aus Europa und Asien verglichen. Sie kommen aufgrund der genetischen Ergebnisse zudem Schluss, dass die Tiere durch europäische Siedler eingeführt wurden. Vermutlich wurden die Katzen zur Bekämpfung von Nagetieren mit auf den südlichen Kontinent gebracht, wo sie sich dann über große Flächen ausbreiteten.

Aber auch aus Südost-Asien kamen die Samtpfoten nach Australien. Prof. Dr. Klaus Schwenk, Universität Koblenz-Landau und Senior-Autor der Studie hierzu: „Wir haben zwar Belege für eine Einschleppung aus dem asiatischen Raum, diese Populationen konnten sich aber nicht über einen längeren Zeitraum und größere Gebiete in Australien ausbreiten.“ 
Heute sind die Katzen für die australischen Behörden auch ein finanzielles Problem: Etwa 720 Millionen australische Dollar werden jährlich zur Bekämpfung von tierischen Schädlingen ausgegeben. Auch Wiederansiedlungsprogramme bedrohter Tierarten scheitern häufig durch die Anwesenheit der wilden Katzen.

„Der Zeitpunkt der Einschleppung hilft, die Auswirkung einer invasiven Art auf die heimische Fauna zu verstehen. Wir können nun gezielt die Aussterbeereignisse heimischer Tierarten in Australien mit dem Auftreten der eingeführten Katzen in Verbindung setzen“, fasst Koch zusammen.

Kontakt
Dr. Katrin Koch
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1839
koch@bio.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Markus Pfenninger
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1841
Markus.Pfenninger@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de
 
Publikation
A voyage to Terra Australis: human-mediated dispersal of cats. Katrin Koch, Dave Algar, Jeremy B Searle, Markus Pfenninger, Klaus Schwenk, BMC EvolutionaryBiology
http://bmcevolbiol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12862-015-0542-7

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmender aktuellen Berichterstattung zulässig.

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse