2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009

14 December 2016

Versteinerter Wasserfloh...

12 December 2016

Darwins Erben machen Fortschritte: Mit DNA-Barcodes zum Stammbaum des Lebens ...

07 December 2016

Paradise Lost? – Loss of large fruit-eating birds threatens tropical forests ...

24 November 2016

German-Tansanian research project seeks to analyse climate and land use changes on Kilimandscharo...

06 October 2016

The great feeding-frenzy: Species-rich food webs produce biomass more efficiently...

28 September 2016

Professor Mulch, SBiK-F, honored by the Geological Society of America...

15 September 2016

For 20 Million Years, the Diversity of Large Terrestrial Mammals Depended on Plant Growth...

08 September 2016

Gene analyses reveal that there are not one, but four giraffe species...

06 September 2016

Age Before Youth: Older Cranes Lead the Way to New Migration Patterns...

18 August 2016

Greater biodiversity in grasslands leads to higher levels of ecosystem services...

20 July 2016

Are forests of the future at risk?...

12 July 2016

Its all so quiet in the genome...of the Tasmanian devil...

28 June 2016

New method helps to reconstruct rainfall thousands of years ago...

16 June 2016

Das Ei, das aus der Kälte kam – Wie sich Tigermücken für den Winter rüsten...

24 May 2016

Frankfurter Biologin wird Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften...

18 April 2016

Invasive species - who is next to arrive?...

24 March 2016

Wald in Europa: mehr Arten, mehr Nutzen. Homogenisierung von Wäldern führt zu geringerer Ökosystemleistung...

22 March 2016

Borreliose: Übertragung durch Mückenstich? Einheimische Mücken sind potentielle Vektoren für Lyme-Borreliose...

17 February 2016

Evolution auf Betriebstemperatur. In warmen Regionen entwickeln sich Lebewesen schneller...

16 February 2016

Rheinzufluss mit tropischen Parasiten ...

15 January 2016

Researchers uncover multiple adaptations to temperature in birds and mammals...

Press Releases

Evolution auf Betriebstemperatur. In warmen Regionen entwickeln sich Lebewesen schneller

Frankfurt, den 17.2.2016. Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt haben erstmals den Zusammenhang zwischen Temperatur und unterschiedlichen Evolutionsgeschwindigkeiten innerhalb einer Art bestätigt. Anhand von Zuckmücken-Populationen konnte das internationale Wissenschaftlerteam zeigen, dass deren Evolution in warmen Regionen bis zu dreimal schneller verlaufen kann. Die Forschenden gehen davon aus, dass auch der globale Klimawandel die Evolution beschleunigen wird. Die Studie wurde heute im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.
 
Ein Sonnenbad in mediterranen Regionen oder eiskalte Finger an den Polen – Temperatur ist der wohl am einfachsten zu fühlende, aber auch wichtigste abiotische Faktor, der die Tier- und Pflanzenwelt beeinflusst. „Man kann sagen, dass die Temperatur auf alles einwirkt, was ein Organismus macht“, erklärt Prof. Dr. Markus Pfenninger vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt. Auch bezüglich der Artenvielfalt scheint eine Temperaturabhängigkeit zu bestehen. Pfenninger hierzu: „Von den Polen zum Äquator nimmt die Artenanzahl zu – dieses globale Biodiversitätsmuster konnten wir aber bisher nicht befriedigend begründen.“
 
Einen Erklärungsansatz bietet die „Evolutionäre Geschwindigkeitshypothese“, deren zentrale Idee es ist, dass höhere Temperaturen physiologische Prozesse beschleunigen und so zu einer verkürzten Generationszeit und einer erhöhten Mutationsrate führen. „Beides sollte zur Konsequenz haben, dass sämtliche evolutionären Prozesse in warmen Gegenden schneller ablaufen und somit neue Arten dort mit höherer Rate entstehen“, erläutert Doktorandin Ann-Marie Oppold, Erstautorin der Studie.
 
Die Frankfurter Molekularökologen konnten nun erstmals mit einem internationalen Team einen Beleg für diese Hypothese erbringen. Die Wissenschaftler untersuchten hierfür Populationen der Zuckmücke Chironomus riparius entlang eines klimatischen Gradienten von Norddeutschland nach Südspanien. Dabei fanden sie heraus, dass die etwa 8 Millimeter großen, gelblich-weißen Insekten in den warmen Regionen bis zu drei Generationen mehr  pro Jahrproduzieren. „Wir haben hierfür tausende Larven der Zuckmücken untersucht und geschaut, wie sie sich unter verschiedenen Temperaturen entwickeln“, ergänzt Oppold.
 
Darüber hinaus hat die Analyse genetischer Marker gezeigt, dass sich die Populationen in den wärmeren Gegenden Europas genetisch stärker voneinander unterscheiden und die Mutationsrate höher ist als bei ihren Verwandten im Norden.  „Nach Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen bleibt hierfür lediglich die unterschiedliche Evolutionsgeschwindigkeit als Grund übrig“, fügt Pfenninger hinzu.
 
Sowohl die Experimente als auch die genetischen Untersuchungen bestätigen demnach die „Evolutionäre Geschwindigkeitshypothese“ als Erklärung für die ungleiche Verteilung der Biodiversität auf der Erde. „Wir können außerdem davon ausgehen, dass die Evolution in Folge der globalen Klimaerwärmung beschleunigt wird – und das sowohl in kalten als auch warmen Regionen“, schließt Pfenninger.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Pfenninger
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1841
Markus.pfenninger@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation:
Ann-Marie Oppold, João Pedrosa, Miklós Bálint, João B. Diogo, Julia Ilkova, João Pestana, Markus Pfenninger (2016): Support for the evolutionary speed hypothesis from intraspecific population genetic data in the non-biting midge Chironomus riparius. Proceedings of the Royal Society of London, Series B, ttp://dx.doi.org/10.1098/rspb.2015.2413.