2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009

04 Dezember 2017

Überraschung im Känguru-Stammbaum – Außenseiter ist doch naher Verwandter...

17 November 2017

Da geht noch was: Europäische Wälder schöpfen ihr volles Potential noch nicht aus...

14 November 2017

Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an ...

20 Oktober 2017

An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp...

07 September 2017

Klimaerwärmung ist schuld am Rückgang der Braunbären in Europa...

03 Juli 2017

Alpen: Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt ...

30 Juni 2017

Wald- und Flächenbrände gehen weltweit zurück...

13 Juni 2017

Gebietsfremde Arten: Inseln und Küstenregionen am meisten gefährdet...

31 Mai 2017

Downsizing in animal communities leads to functional decay in tropical forests...

24 Mai 2017

Zebras: Immer der Erinnerung nach...

11 Mai 2017

Wählerische Fruchtfresser sind am flexibelsten...

09 Mai 2017

Tag der offenen Tür im Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum...

27 April 2017

Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut...

19 April 2017

Bären: Wenn jeder mit jedem kann...

30 März 2017

Durstige Landwirtschaft: Übermässige Grundwassernutzung bedroht Lebensmittelversorgung weltweit...

27 März 2017

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen...

27 Februar 2017

Evolution: Warum Huftiere im Neogen größer wurden...

20 Februar 2017

Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel ...

15 Februar 2017

Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch ...

02 Februar 2017

Partnerwahl bei Flechten – Warmes Klima macht wählerisch...

17 Januar 2017

Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten...

11 Januar 2017

Wie weit reisen invasive Arten? ...

04 Januar 2017

Domino-Effekt: Verlust von Pflanzenarten setzt das Aussterben von Tierarten in Gang ...

Pressemitteilungen

Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an

Frankfurt am Main, den 14. November 2017. Einige Flechtenarten können unter sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen wachsen und sind daher echte Überlebenskünstler. Wie Senckenberg-WissenschaftlerInnen herausgefunden haben, trägt die Bereitschaft zur „Untreue“ zu diesem Erfolg bei: Entlang eines Klimagradienten wechseln flechtenbildende Pilze nämlich ihren Algenpartner. Die Forscher vermuten, dass durch das Eingehen einer Symbiose mit einer jeweils optimal angepassten Alge, einige Flechten relativ schnell auf veränderte Klimabedingungen reagieren könnten. Die Studie ist im Fachblatt „New Phytologist“ erschienen.

Flechten sind der klassische Vertreter einer Symbiose – Lebensgemeinschaften in denen Organismen gemeinsame Sache machen, um zu überleben. Jeder beiden Partner, Pilz und Alge, hat dabei klare Aufgabenbereiche. Doch auch hier gilt wohl: „Augen auf bei der Partnerwahl“. Wie Frankfurter Forscher herausgefunden haben, könnte die Alge nämlich entscheidend dazu beitragen, wie gut der flechtenbildende Pilz jeweils in verschiedenen Klimata zurechtkommt.

Prof. Imke Schmitt, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum dazu: „Wir konnten nachweisen, dass die flechtenbildenden Pilze Lasallia pustulata und Lasallia hispanica je nach Standort mit unterschiedlichen Grünalgen aus der Gattung Trebouxia zusammenleben. An den Standorten herrscht unterschiedliches Klima. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Austausch von Algenpartnern ein Mechanismus der flechtenbildenden Pilze ist, sich an unterschiedliche Klimabedingungen anzupassen.“

Ins Visier der Wissenschaftler gerieten die beiden eng miteinander verwandten Flechten Lasallia pustulata und Lasallia hispanica weil sie unterschiedliche Höhenlagen besiedeln, aber im mittleren Höhenbereich auch gemeinsam wachsen. Zusammengenommen erstreckt sich ihr Lebensraum im Mittelmeergebiet von 0 m bis hinauf auf 2.100m Höhe über den Meeresspiegel. Da die äußeren Bedingungen mit zunehmender Höhe maßgeblich kälter und nasser werden, ist das ein ideales Studiengebiet, um den Einfluss des Klimas auf die Pilz-Algen-Symbiose zu testen.

Das Team untersuchte die Lebensgemeinschaften der Algen in den beiden Flechten mit molekularbiologischen Hochdurchsatzverfahren, um herauszufinden wo genau, welcher Pilz mit welchem Algenpartner zusammenwohnt. Die Analyse der rund 23 Millionen dabei generierten DNA-Sequenzen der Grünalgen zeigt: „Die flechtenbildenden Pilze können theoretisch mit sieben verschiedenen Trebouxia-Arten zusammenleben. Tun sie aber nicht überall. Es gibt sowohl „Schönwetter“-Algenpartner für warme, frostfreie Umgebungen im Tal als auch „Schlechtwetter“-Algenpartner für die Höhenlagen“, so Schmitt.

Aber nicht nur das Klima bestimmt, welche Alge verwendet wird, sondern auch der Pilzpartner hat bestimmte Vorlieben. Wenn beide Arten, Lasallia pustulata und Lasallia hispanica, am selben Ort vorkommen und dort auch mehrere Algenarten vorhanden sind, werden die einen Algen bevorzugt von der einen Pilzart verwendet, die anderen von der anderen. Und das, obwohl mehrere Trebouxia-Arten frei unter beiden Pilzarten miteinander getauscht werden können.

Wenn sich die Flechten tatsächlich durch die Wahl des Algenpartners an das Klima anpassen könnten, hätten sie anderen Organismen etwas voraus. „Es ist möglich, dass es der flechtenbildende Pilz innerhalb weniger Generationen schaffen könnte, statt mit der bisherigen Algenart mit einer anderen zusammen zu leben, die optimaler an die neuen Umweltbedingungen angepasst ist“, erklärt Schmitt und ergänzt: „Das wäre entscheidend schneller als sich durch Veränderungen im Erbgut an neue Klimabedingungen anzupassen. Dieser ‚klassische Weg’ kann sich nämlich über Millionen von Jahren erstrecken.“

Pressebilder

Lasallia Pustulata Querschnitt Dal Grande

Lebensgemeinschaft aus Grünalge (obere grüne Schicht) und Pilz  - die Flechte Lasallia pustulata Copyright: Francesco Dal Grande [300dpi]

Kontakt

Prof. Dr. Imke Schmitt
Senckenberg Biodiversität  und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69 7542 1855
Imke.schmitt@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität  und Klima Forschungszentrum
Tel +49 (0)69 7542 1818
pressestelle@senckenberg.de

Studie

Dal Grande, F., Rolshausen, G., Divakar, P. K., Crespo, A., Otte, J., Schleuning, M. and Schmitt, I. (2017), Environment and host identity structure communities of green algal symbionts in lichens. New Phytol. doi:10.1111/nph.14770

Die Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung zu dieser Pressemeldung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.


PDF downloaden, 273 KB