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B3.7 | PRÄVALENZ HUMANPATHOGENER MIKROORGANISMEN IN ZECKENPOPULATIONEN DES RHEIN-MAIN-GEBIETES

In Europa gehören Zecken zu den wichtigsten Überträgern von Krankheitserregern bei Tier und Mensch. Aufgrund ihrer parasitischen Lebensweise sind sie zur Übertragung von human- und verterinärmedizinisch relevanten Viren und bakteriellen Pathogenen befähigt. Hierzulande sind vor allem das Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus und diverse Borrelien-Spezies des Borrelia burgdorferi sensu lato-Komplexes, aber auch Bakterien wie Rickettsia spp., Coxiella burnetii, Francisella tularensis, Bartonella hensleae und Anaplasma phagocytophilum von Bedeutung.
In Deutschland ist die FSME, mit Ausnahme der Lyme-Borreliose, die in den neuen Bundesländern ebenfalls erfasst wird, die einzige meldepflichtige Infektionskrankheit. Bisherige Grundlagen zur Erhebung eines Risikogebietes für FSME-Viren definieren sich durch eine bestimmte Anzahl an Erkrankungen in einem Landkreis innerhalb von fünf Jahren. Zuletzt sind die gemeldeten Fallzahlen, eventuell durch den Klimawandel und ein verändertes Freizeitverhalten unterstützt, stetig gestiegen. Flächendeckende epidemiologische Studien und Daten über die Durchseuchungsrate der Zecken und das Infektionsrisiko für den Menschen fehlen jedoch.
In einem gemeinsamen Pilotprojekt untersuchen die BiK-F-Partner Jens Amendt und Richard Zehner (beide am Institut für Forensische Medizin des Klinikums der Goethe-Universität), Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Peter Kraiczy aus dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Klinikums der Goethe-Universität sowie Ulrich Kuch und Mandy Kronefeld (BiK-F) im Rahmen zweier Diplomarbeiten (Annika Beckert und Linda Bingsohn) das Vorkommen des FSME-Virus und mehrerer bakterieller Pathogene in Zecken. Aus ihren Untersuchungen erwarten die Forscher wichtige neue Daten zur Verbreitung zeckenübertragener Krankheiten in Hessen und zur Biologie und Ökologie der Vektoren ganz allgemein. Ein verschärftes Augenmerk soll auch auf das mögliche Auftreten neuer oder bislang seltener Zeckenarten gelegt werden.
Im Fokus der Untersuchungen steht das Rhein-Main-Gebiet mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern, welches sich durch die Vernetzung urbaner und naturnaher Lebensräume auszeichnet und am nördlichen Ende des Oberrheingrabens liegt: dem Abschnitt Deutschlands, der mögliche Temperaturerhöhungen im Rahmen des Klimawandels sicherlich am deutlichsten spüren wird.
Die in dieser Form erstmals durchgeführte systematische Analyse der Zeckenfauna soll neben dem Nachweis der Pathogene auch einen Vergleich von Standorten unterschiedlicher Risikoklassen und Jahre (2009 - 2010) in Abhängigkeit von klimatischen Parametern wie Temperatur und Niederschlag ermöglichen. Ergänzend hierzu zu sehen ist die Analyse des Artenspektrums und der Prävalenz human- und tierpathogener Organismen der an einheimischen Singvögeln und Igeln saugenden Zecken, um deren Rolle als Reservoir-Wirte zu klären.

Team

Dr. Jens Amendt
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Kraiczy
Mandy Kronefeld
Dr. Ulrich Kuch
Dr. Richard Zehner