Projektgruppen

7-4.3 | TIGERMÜCKEN: DIE INVASION EUROPAS

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) gilt als eine der 100 gefährlichsten invasiven Arten der Welt. Nachdem sie in Europa erstmals 1979 nach Albanien und 1990 nach Italien eingeführt worden war, breiteten sich Tigermücken in weiten Teilen des südlichen Europa aus. Dort sind sie heute sogar in vielen Großstädten häufig. Als kompetente Vektoren zahlreicher Viren und Parasiten stellen sie ein latentes Gefährdungspotential dar, wie z.B. ihre Rolle beim Ausbruch von Chikungunya-Fieber in Italien im Jahr 2007 deutlich gezeigt hat.
Auch zu Orten nördlich der Alpen in Europa sind Asiatische Tigermücken und ihre Eier schon wiederholt verbracht worden: durch den Kraftfahrzeugverkehr aus Südeuropa ebenso wie durch Frachtlieferungen aus Übersee, z.B. in gebrauchten Autoreifen oder an Zierpflanzen („lucky bamboo“). Obwohl es über die mögliche zukünftige Ausbreitung dieser Art unter verschiedenen Klimawandel-Szenarien derzeit noch widersprüchliche Prognosen gibt, scheint doch sicher, dass sich die Asiatische Tigermücke ohne wirksame Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen in Europa noch großräumig weiter verbreiten wird. 
Sehr wichtige Fragen in diesem Zusammenhang betreffen die geographische Herkunft der Gründerpopulationen der Tigermücken in Europa, ihre genetische Variabilität und die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen europäischen Populationen. Die BiK-F-Forscher Ruth Jesse, Markus Pfenninger und Ulrich Kuch arbeiten deshalb daran, die Geschichte der Tigermücken-Invasion auf molekulargenetischer Basis zu rekonstruieren und auf dieser Grundlage die Fragen zu beantworten. Dabei verwenden sie neue statistische Methoden, mittels derer sie pro geographische Population zahlreiche Abschnitte des Genoms vieler Tigermücken analysieren.
Diese Untersuchungen haben eine große angewandte Bedeutung, weil sich die Kältetoleranz und die Fortpflanzungsbiologie der Tigermücken in Abhängigkeit von der Herkunft ihrer Vorfahren dramatisch unterscheiden könnten – je nachdem, ob diese aus Ländern mit tropischem Klima stammen oder aus Gegenden mit kalten Wintern. Die Analyse der genetischen Variabilität der europäischen Tigermücken-Populationen ist außerdem wichtig, um deren Anpassungspotenzial zu erforschen, hängt doch letzteres ebenso wie die Überlebenswahrscheinlichkeit unter geänderten Umweltbedingungen stark von der genetischen Diversität innerhalb einer Population ab. Die Bestimmung der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den verschiedenen europäischen Populationen schließlich wird es erlauben, Art und Weise sowie Tempo der Ausbreitungsvorgänge besser zu verstehen.

Team

Meghnath Dhimal , Doktorand
Ahmad Ghiffari, M.D., Doktorand
Friederike Reuß, Doktorandin

Publikationen

Bock, F., Kuch, U., Pfenninger, M., & R. Müller (2015) : Standardized laboratory feeding of larval Aedes japonicus japonicus. - Journal of Insect Science 15: 144.

Dhimal, M., Ahrens, B. & U. Kuch (2014) : Malaria control in Nepal 1963–2012: challenges on the path towards elimination. - Malaria Journal, DOI: 10.1186/1475-2875-13-241

Dhimal, M., O’Hara, R.B., Karki, R., Thakur, G.D., Kuch, U. & B. Ahrens (2014) : Spatio-temporal distribution of malaria and its association with climatic factors and vector-control interventions in two high-risk districts of Nepal. – Malaria Journal, DOI: doi:10.1186/1475-2875-13-457.

Dhimal, M., Gautam, I., Kreß, A., Müller, R. & U. Kuch (2014) : Spatio-Temporal Distribution of Dengue and Lymphatic Filariasis Vectors along an Altitudinal Transect in Central Nepal. - PLOS One Neglected Tropical Diseases, DOI: 10.1371/journal.pntd.0003035

Gautam, I., Kc, A., Tuladhar, R., Pandey, B.D., Tamrakar, A.S., Byanju, R., Dhimal, M., Aryal, K. & U. Kuch (2012) : Container preference of the Asian tiger mosquito (Aedes albopictus) in Kathmandu and Lalitpur districts of Nepal. - Journal of Natural History Museum 26: 183-191.

Stribrny, B. & U. Kuch : Climate change and vector-borne diseases: Using the past to predict the future. - Public Health Journal 20, 5-7.