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B3.5 | SCHLANGENBISS-VERGIFTUNG: EINE GLOBAL VERNACHLÄSSIGTE KRANKHEIT

Die Vergiftung durch Schlangenbiss gehört zu den großen vernachlässigten Krankheiten des 21. Jahrhunderts. Jedes Jahr sind mehrere Millionen Menschen von Schlangenbissen betroffen. Am häufigsten sind diese in den ländlichen Tropen, wo die Vergiftung durch Schlangenbiss eine echte Berufskrankheit insbesondere der jungen, in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung ist. Zunehmend werden Schlangenbiss-Vergiftungen aber auch als ein Gesundheitsproblem nach Naturkatastrophen wie z.B. Überschwemmungen und Zyklonen erkannt. Die Belastung durch Krankheit, Tod oder dauerhafte Behinderung infolge von Schlangenbiss-Vergiftungen speziell unter den jüngeren, wirtschaftlich aktivsten Bevölkerungsschichten hat dabei auch tiefgreifende Konsequenzen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zahlreicher Entwicklungsländer.
In vielen Gegenden der Erde ist die Unkenntnis der Giftschlangen, welche Bisse verursachen, eines der grundlegendsten Hindernisse auf dem Weg zu einer Verbesserung der Behandlung von Schlangenbiss-Vergiftungen. Diese Unkenntnis hat z.B. dazu geführt, dass Antisera zur Behandlung der Bissopfer hergestellt werden, die nur gegen die Gifte einer unzureichenden Anzahl von Schlangenarten wirksam sind oder aber gegen solche Arten, die in bestimmten Regionen nicht medizinisch bedeutsam sind. Ein weiteres Problem stellt die Variabilität in der Zusammensetzung der Schlangengifte dar, von denen jedes aus einer komplexen Mixtur zahlreicher verschiedener Peptide und Proteine besteht. Sowohl hinsichtlich der Struktur der im Gift vertretenen Toxine als auch in ihrer relativen Menge unterscheiden sich Schlangengifte nämlich erheblich, und das nicht nur zwischen Arten, sondern auch innerhalb einer Art (z.B. auf der Ebene geographischer Populationen, altersabhängig und sogar individuell). Ohne umfassende Informationen über das Ausmaß dieser außergewöhnlichen molekularen Vielfalt können hieraus dramatische Konsequenzen für die Wirksamkeit therapeutischer Antisera entstehen.
Als Teil der kürzlich gegründeten Global Snakebite Initiative http://www.snakebiteinitiative.org und mehrerer regionaler Kooperationen untersuchen die BiK-F-Forscher Ulrich Kuch und Christian Melaun die Diversität und Verbreitung von Giftschlangen, ihre klinische Bedeutsamkeit und die Vielfalt und Variabilität ihrer Toxine. Ihre Daten finden Anwendung in der Modellierung der potentiellen zukünftigen Ausbreitung medizinisch relevanter Giftschlangenarten unter verschiedenen Klimawandel-Szenarien (mit Arne Micheels; BiK-F-Projektbereich E), in der Entwicklung verbesserter diagnostischer Verfahren für die klinische Identifizierung von Giftschlangen mittels forensischer Methoden (mit Richard Zehner, Romy Weber und externen Partnern; BiK-F-Projektbereich D), und in der Information von Ärzten, Gesundheitsbehörden und Herstellern von Antisera. Diese können das Wissen ihrerseits für die Verbesserung der klinischen Behandlung von Schlangenbiss-Patienten umsetzen und dadurch zu einer Verringerung der Schwere und Dauer der Erkrankung und einer Senkung der Sterblichkeit nach Giftschlangenbissen beitragen.

Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln des Wellcome Trust.

Team

Dr. Ulrich Kuch
Dr. Christian Melaun

Publikationen

Climate change and vector-borne diseases: Using the past to predict the future. - Public Health Journal 20, 5-7.