Projektgruppen

B4.5 | GIFTSCHLANGEN NEPALS

Projektleiter:
Dr. Ulrich Kuch

Die Vergiftung durch Schlangenbiss ist eine der am meisten vernachlässigten Krankheiten des 21. Jahrhunderts. Jedes Jahr sind mehrere Millionen Menschen von Schlangenbissen betroffen. Am häufigsten sind diese in ländlichen Gebieten der Tropen und Subtropen, wo die Vergiftung durch Schlangenbiss eine echte Berufskrankheit insbesondere der jungen, in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung ist. Zunehmend werden Schlangenbiss-Vergiftungen aber auch als ein Gesundheitsproblem nach Naturkatastrophen wie z.B. Überschwemmungen und Zyklonen erkannt. Kinder sind einem hohen Risiko ausgesetzt und erleiden wegen ihres geringeren Körpergewichtes besonders schwere Vergiftungen. Die Belastung durch Krankheit, Tod oder dauerhafte Behinderung infolge von Schlangenbiss-Vergiftungen speziell unter den jüngeren, wirtschaftlich aktivsten Bevölkerungsschichten hat dabei auch tiefgreifende Konsequenzen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zahlreicher Entwicklungsländer.

In vielen Gegenden der Erde ist die Unkenntnis der Giftschlangen, welche Bisse verursachen, eines der grundlegendsten Hindernisse auf dem Weg zu einer Verbesserung der Behandlung von Schlangenbiss-Vergiftungen. Diese Unkenntnis hat z.B. dazu geführt, dass Medikamente zur Behandlung der Bissopfer (Antivenine) hergestellt werden, die nur gegen die Gifte einer unzureichenden Anzahl von Schlangenarten wirksam sind oder aber gegen solche Arten, die in bestimmten Regionen nicht medizinisch bedeutsam sind. Unkenntnis der örtlichen giftigen und ungiftigen Schlangen ist aber auch der Grund dafür, dass   diese an sich sehr nützlichen Tiere in vielen Ländern wahllos totgeschlagen werden. Das kann jedoch schwerwiegende ökologische Folgen haben, wie z.B. unkontrolliert wachsende Populationen von Nagetieren, die Nahrungsmittel der Menschen fressen und Infektionskrankheiten übertragen. Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Menschen nicht wissen, was sie tun sollen, wenn sie von einer Schlange gebissen wurden - oder auf wirkungslose und oft sogar gefährliche "Erste-Hilfe"-Massnahmen vertrauen. 

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz, Deutschland und Nepal haben Biologen und Ärzte aus den drei Ländern deshalb gemeinsam ein Handbuch über die Giftschlangen Nepals veröffentlicht, das es erlaubt, die Tiere anhand von Farbfotos und Texten in der Landessprache Nepali und in Englisch zu identifizieren. Das Buch gibt außerdem Tipps für die Erste Hilfe und zur Behandlung von Schlangenbissen. Diese Informationen sind landesspezifisch und spiegeln den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft im Kontext Nepals wider. Während einige dieser Informationen und Empfehlungen generelle Gültigkeit haben, gelten andere nur für die gegenwärtige Situation in Nepal und können sich mit dem Fortschritt der Wissenschaft ändern.

Kostenlose Kopien des Buches (4.1 MB) können hier heruntergeladen werden:
TItel engl TItel Nepali

Download der englischen Version
Download der Version in Nepali

Dieses Projekt wurde durch die Schweizer Botschaft in Nepal und die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gefördert.

Weitere Autoren des Buches:

Prof. Sanjib Kumar Sharma, B.P. Koirala Institute of Health Sciences (Dharan, Nepal)
Prof. Karan Bahadur Shah, Natural History Museum, Tribhuvan University (Kathmandu, Nepal)
Frank Tillack, Museum für Naturkunde (Berlin)
Prof. Dr. François Chappuis, Universitätskliniken Genf (Genf, Schweiz)
Dr. Chhabilal Thapa, Sindhuli District Hospital (Sindhuli, Nepal)
Dr. Emilie Alirol, Universitätskliniken Genf (Genf, Schweiz)

Team

Laura Bruhse, Doktorandin
Deb Pandey, Doktorand

Publikationen

Alirol, E., Sharma, S.K., Bawaskar, H.S., Kuch, U. & F. Chappuis (2010) : Snake Bite in South Asia: A Review. - PLoS Neglected Tropical Diseases 4(1): e603.
Link zur Publikation
Publikation downloaden, PDF 2 MB

Jansen, M. & A. Schulze (2012) : Molecular, morphology and bioacoustic data suggest Bolivian distribution of a large species of the Leptodactylus pentadactylus group (Amphibia: Anura: Leptodactylidae). - Zootaxa 3307: 35-47.

Kuch, U., Sharma, S.K., Alirol, E. & F. Chappuis (2011) : Fatal neurotoxic envenomation from the bite of a Lesser Black Krait (Bungarus lividus) in Nepal. - Southeast Asian Journal of Tropical Medicine and Public Health 42(4): 960-964.

Pandey, D.P. (2012) : Snakes in the vicinity of Chitwan National Park, Nepal. - Herpetological Conservation and Biology 7: 46-57.

Pillai, L.V., Ambike, D., Husainy, S., Khaire, A., Captain, A. & U. Kuch (2012) : Severe Neurotoxic Envenoming and Cardiac Complications after the Bite of a ‘Sind Krait’ (Bungarus cf. sindanus) in Maharashtra, India. - Tropical Medicine and Health 40: 103-108.

Schulze, A. & M. Jansen (2012) : One species, two strategies? Oviposition site variation in a member of the Leptodactylus pentadactylus group (Amphibia: Anura: Leptodactylidae). - Studies on Neotropical Fauna and Environment 47: 183-191.

Sharma, S.K., Pandey, D.P., Shah, K.B., Tillack, F., CHappuis, F., Thapa, C.L., Alirol, E. & U. Kuch (2013) : Venomous Snakes of Nepal. A photographic guide. - Published by: B.P. Koirala Institute of Health Sciences, Dharan, Nepal (English Version) (Nepali Version)

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