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Flusseinzugsgebiet China
EiIn the catchment area of the river Yangtzekiang in Southern China defor-estation takes place in order to gain arable land and build tea plantations.. © M. Kuemmerlen [Download in 300 dpi]

Fliessgewaesser China 2

As a new study highlights, deforesta-tion in this area might result in a loss of species richness in adjacent streams.. © M. Kuemmerlen [Download in 300 dpi]

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Krebspest: Senckenberg und Regierungspräsidien dem Killer auf den Fersen

Schneller und sicherer Nachweis des Erregers in Wasserproben

Darmstadt/Frankfurt, den 30.01.2015. Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen und des Senckenberg Biodiversitätund Klima Forschungszentrums (BiK-F) haben im Auftrag der Oberen Fischereibehörden der Regierungspräsidien Darmstadt, Gießen und Kassel ein neues Verfahren entwickelt, um den in Fließgewässern gefürchteten Krebspesterreger(Aphanomyces astaci) in Wasserproben sicher nachzuweisen. Die kostengünstige und hochsensitive genetische Methode soll in Zukunft flächendeckend eingesetzt werden, um die Krebspest in heimischen Gewässern zu überwachen. Finanziell gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der Fischereiabgabe, die das Land Hessen den Regierungspräsidien zur Verfügung stellt.

Für die in Deutschland heimischen Flusskrebse endet die Krebspest in der Regel tödlich. Die von amerikanischen Flusskrebsarten eingeschleppte Krankheit führt zum Rückgang europäischer Arten, wie beispielsweise dem Edelkrebs (Astacus astacus) oder dem Steinkrebs (Austropotamobius torrentium), bis hin zum Zusammenbruch ganzer Bestände.
„Die Krebspest ist eine gravierende Seuche, ihr Erreger gehört zu den  100 gefährlichsten invasiven Arten weltweit“, erklärt Professor Dr. Marco Thines vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und fügt hinzu: „Wir haben uns deshalb gemeinsam mit Kollegen der Oberen Fischereibehörden in Hessen daran gesetzt ein neues Verfahren entwickelt, um den Krebspesterreger (Aphanomyces astaci) in Wasserproben sicher nachzuweisen.“
Invasive nordamerikanische Krebsarten wie  der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) oder der Kamberkrebs (Orconectes limosus) sind versteckte Träger des Krebspesterregers. „Diesen eingewanderten Flusskrebsen macht der Erreger keine Schwierigkeiten. Doch einheimische Flusskrebse haben im Gegensatz zu den invasiven Arten keine ausreichende Immunabwehr gegen den Pilz entwickelt und sterben daran in kürzester Zeit“, erläutert Claudia Wittwer, Doktorandin am Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen.
Träger des Erregers setzen kontinuierlich die gefährlichen Krebspest-Sporen in das sie umgebende Wasser frei. Die Sporen finden ihre Wirte über bestimmte, bisher noch nicht identifizierte chemische Stoffe. Trifft eine Spore auf einen Flusskrebs, dringt sie in den Organismus ein und der Pilz befällt das Gewebe. „Durch die zunehmende Ausbreitung invasiver Flusskrebsarten in unseren Fließgewässersystemen sind die einheimischen Restbestände bundesweit gefährdet“, verdeutlicht Wittwer.
Das hessische Forscherteam hat nun eine Methode gefunden, um freigesetzte Krebspest-Sporen in Wasserproben eindeutig und schnell nachzuweisen. „Wir konnten durch Filtrierung über Glasfaserfilter die Sporen auffangen, die DNA im Labor extrahieren und diese dann auf das Vorhandensein spezifischer Sequenzmuster von Krebspest-Sporen absuchen“, erklärt Wittwer und freut sich: „Damit wurde nun erstmals in Deutschland eine innovative, auf „eDNA“ basierende Methode erfolgreich in der Praxis angewandt!“
„eDNA“ (environmental DNA) oder „Umwelt-DNA"-Fragmente sind, je nach herrschenden Umweltbedingungen, kürzere oder längere Teile der Erbsubstanz. Sie entsteht dadurch, dass Organismen in ihrem jeweiligen Lebensraum genetische Spuren, wie abgestorbene Hautzellen oder Ausscheidungen, hinterlassen. Diese minimalen Spuren werden dann genutzt, um den Krebspesterreger im Wasser aufzuspüren.
„Der Nachweis der Krebspest über die eDNA-Methode ist einedeutliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen, auf Gewebeproben basierenden Nachweisverfahren“, meint Dr. Christian Köhler von der Oberen Fischereibehördein Darmstadt und ergänzt: „ Sie ist viel schneller, und erlaubt uns dadurch, bei Krebspest-Ausbrüchen rasch Gegenmaßnahmen zu ergreifen, beispielsweise die gezielte Entnahme infizierter Signalkrebse mittels Fangreusen oder das Belassen von Querbauwerken im Gewässer mit zusätzlichem Einbau sogenannter Krebssperren.“
Nicht zuletzt aufgrund der hohen Sensitivität und dergeringen Kosten wird die eDNA-Methodik in Zukunft bei Verdachtsfällen oder bei einem Massensterben von Flusskrebsen an einem Gewässersystem Verwendung finden. Aufgrund des großen Erfolgs des Pilotprojektes werden außerdem Überlegungen angestellt, die eDNA-Methode auf andere naturschutzrelevante Anwendungsgebiete – von der Früherkennunginvasiver Arten über den Nachweis seltener oder schwer nachweisbarer Organismen bis hin zur Untersuchung ganzer Artengemeinschaften – auszudehnen.

Kontakt
Claudia Wittwer, Forschungsinstitut Senckenberg, Außenstelle Gelnhausen
Tel. 0151-25243240
Claudia.Wittwer@Senckenberg.de

Dr. Carsten Nowak, Forschungsinstitut Senckenberg, Außenstelle Gelnhausen
Tel. 06051- 61954-3122
Carsten.Nowak@senckenberg.de

Prof. Dr. Marco Thines, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1833
marco.thines@senckenberg.de

Judith Jördens, Pressestelle, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Regierungspräsidium Darmstadt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 06151- 12 5412 und 12
pressestelle@rpda.hessen.de

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Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.