2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009

01 August 2014

Der blaue Planet wird grüner – Analyse des globalen Pflanzenwachstums zeigt Einfluss der Landnutzung...

25 Juli 2014

Erstmals Sandmücke in Hessen entdeckt...

09 Juli 2014

Klimawandel: Temperaturerhöhung trifft besonders Tierarten in den Tropen...

25 Juni 2014

Vogelschutz lohnt sich! – Vogelbestände in Osteuropa profitieren von neuer Gesetzgebung...

18 Juni 2014

Spanische Schnecke? – Das Ende eines Invasions-Mythos ...

17 Juni 2014

Klimarekonstruktion im Regenwald: Pflanzenwachse geben Einblick in die letzten 24.000 Jahre...

11 Juni 2014

Komplizierte Familienbande - Neue Erkenntnisse zur Evolutionsgeschichte der Bären...

12 Mai 2014

Spiel mir das Lied vom Überleben – Wie Fische eine für sie tödliche Umgebung besiedeln konnten...

08 Mai 2014

Den Zusammenhang zwischen der Hebung des Tibetischen Plateaus und Artenvielfalt besser erforschen...

29 April 2014

Gehen oder bleiben? – Neue Emmy Noether-Gruppe erforscht die Klima-Anpassung von Vögeln ...

08 April 2014

Was Ökosysteme zusammenhält: Neue Methode entschlüsselt Samen-Transportrouten von Nashornvögeln...

26 März 2014

Auf den Spuren des Dschingis Khan der Braunbären: Y-Chromosomen offenbaren weitreichenden Genfluss...

18 März 2014

Ameisen pflanzen den Regenwald von morgen...

04 März 2014

Allergikern blüht etwas: Erhöhte Fitness der Beifußambrosie in Europa nachgewiesen ...

12 Februar 2014

Zukunftsthema Infektionskrankheiten – zwei neue Forschungsprojekte im Bereich Medizinische Biodiversität und Parasitologie...

05 Februar 2014

Süßwasserinsekten: (V)erkanntes Potential für die Biodiversitätsforschung...

05 Februar 2014

Kaffee: Bessere Ernte dank biologischer Vielfalt...

20 Januar 2014

Erfolgreiche Renaturierung von Gewässern: Das biologische Umfeld ist entscheidend...

Pressemitteilungen

Erstmals Sandmücke in Hessen entdeckt

Frankfurt, den 04.08.2014. Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts, des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Goethe-Universität in Frankfurt haben die erste in Hessen gefundene Sandmücken-Art identifiziert. Die Mücke ist ein potentieller Überträger der Krankheit Leishmaniose.  Der Fund ist der bisher nördlichste weltweit. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Parasitology Research“ erschienen.

Die beigefarbenen Sandmücken sind nur wenige Millimeter groß und lieben es eigentlich warm. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind die Tropen, Subtropen und der Mittelmeerraum – dort übertragen die winzigen Mücken nicht selten die Infektionskrankheit Leishmaniose. „Wir haben nun erstmals eine Sandmücken-Art innerhalb Hessens entdeckt“, berichtet Prof. Dr. Sven Klimpel vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität. Das Insekt wurde nördlich von Gießen im Rahmen eines bundesweiten Mückenmonitorings gefangen und von Klimpel und seinem Team identifiziert.

„Es handelt sich um die Sandmücken-Art Phlebotomus mascittii, die in etwa 500 Meter Entfernung zu bewohnten Häusern gefunden wurde“, erklärt der Frankfurter Parasitologe und ergänzt: „Bisher ist noch nicht eindeutig bewiesen, dass diese Art als Vektor für Infektionskrankheiten – wie beispielsweise Leishmaniose – dient, aber die Vermutung liegt nahe, dass sie es kann.“ Derzeit arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler intensiv an der Beantwortung dieser Frage.

Denn viel schlimmer als der an sich harmlose Stich der Sandmücken ist deren Vektorfunktion für die Übertragung der Infektionskrankheit Leishmaniose. Diese wird von geißeltragenden Einzellern (Protozoa) verursacht, die als Parasiten in ihren Wirten leben und einen Wirtswechsel zwischen blutsaugenden Insekten – den Vektoren – und Wirbeltieren vollziehen. Leishmaniose tritt in verschiedenen Formen auf: Von selbst abheilenden Hautgeschwüren über einen Befall des Nasen-Rachenbereiches bis hin zu schweren Leber-, Milz- oder Knochenmarksschäden, die ohne Therapie tödlich enden können.

„Die Suche nach Sandmücken ist nicht ganz einfach“, erklärt Klimpel und fügt hinzu: „Die Tiere sind sehr klein, sie treten in geringer Anzahl auf und lassen sich nur schwer mit Lichtfallen anlocken.“ Es könnte demnach sein, dass die Sandmücken schon viel weiter im nördlichen Europa verbreitet sind, als bisher angenommen wurde. 

Und auch wenn die blutsaugenden Insekten nicht selbst den Weg in nördlichere Gebiete finden – die Leishmaniose-Erreger können sich auf ein weiteres Transportmittel verlassen. „Durch den zunehmenden Import von Hunden aus dem Mittelmeergebiet oder deren Mitnahme zu Urlauben in Endemiegebieten werden die Leishmaniose-Parasiten immer weiter in das nördliche Europa verschleppt“, erläutert Klimpel. Die Haustiere dienen als sogenannte Reservoirwirte für die Krankheitserreger.

Die Ausbreitung von Krankheitserregern und gefährlichen Viren ist aber auch davon abhängig, ob sie sich in den vorhandenen Sandmücken-Vektoren und den vorherrschenden klimatischen, biologischen und hygienischen Bedingungen innerhalb Deutschlands etablieren können. „Hierzulande besteht bisher kein Grund zur Panik“, beruhigt Klimpel und ergänzt: „Es ist aber zu vermuten, dass sich in Zukunft sowohl die Sandmücken als auch die von ihnen transportierten Krankheitserreger durch die Klimaerwärmung weiter nordwärts ausbreiten und sich in den nächsten Dekaden in Europa und Deutschland wohl fühlen werden.“

Kontakt
Prof. Dr. Sven Klimpel
Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Goethe-Universität
Tel.: 069- 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de

oder

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation:
Melaun C., Krüger A., Werblow A., Klimpel S. (2014) New record of the suspected leishmaniasis vector Phlebotomus (Transphlebotomus) mascittiiGrassi, 1908 (Diptera: Psychodidae: Phlebotominae) — the northernmost phlebotomines and fly occurrence in the Palearctic region. Parasitology Research 113: 2295-2301.

PDF downloaden, 72 KB