Projektgruppen

TÄTIGSSCHWERPUNKT 9: ÖKOSYSTEMLEISTUNGEN UND KLIMA

Beteiligte Projektleiter:
ISOE: D. Hummel, T. Jahn, A. Lux, E. Schramm. – BiK-F: T. Hickler, J. Krohmer, L. Loft, U. Zajonz. – GU: B. Blättel-Mink, K. Hahn. – SGN: V. Mosbrugger.

Der TSP „Ökosystemleistungen und Klima“ (TSP 9) geht aus dem früheren PB F „Wissenstransfer und Sozial-ökologische Dimensionen“ hervor. Ziel des TSP 9 für die Phase der LOEWE-Auslauffinanzierung ist, die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten des PB F auf die für die Verstetigung von BIK-F (WGL-Format) präzisierten Schlüsselfragen (s. u.) zu beziehen. Der Forschungsfokus verschiebt sich dabei von den Auswirkungen klimabedingter Biodiversitätsveränderungen auf gesellschaftliches Handeln und Entscheiden (Managementperspektive) hin zu ihren Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen als Analyseebene in sozial-ökologischen Systemen. Klimabedingte Biodiversitätsveränderungen werden dabei neben ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft (Facetten des Wohlergehens) auch hinsichtlich der zugrundeliegenden gesellschaftlichen Ursachen des Wandels (z. B. positive und negative Folgen von Managementeingriffen in Ökosysteme oder Wirkungen politischer Anreize in Naturschutz und Biodiversitätsmanagement) aufgegriffen. Es wird dabei weiterhin ein transdisziplinärer Forschungsansatz verfolgt, der die gesellschaftliche Perspektive in den Forschungsprozess integriert (Jahn et al. 2012); dieses problemorientierte Vorgehen ist herausragend in der Biodiversitätsforschung (Mehring et al. 2012). Der Geobiodiversitätsansatz von Senckenberg wird unterstützt durch die systemische Analyse der Interaktionen von Bio- und Atmosphäre durch die Linse der Anthroposphäre sowie die Integration gesellschaftlichen Wissensbedarfs in Forschung, Anwendung und Kommunikation.

Schlüsselfragen:
1. Wie können die Konzepte Ökosystemleistungen (ESS) und Risikoanalyse als transdiszip-linärer Rahmen dienen, um die Auswirkungen des klimabedingten Biodiversitätswandels auf die Transformation sozial-ökologischer Systeme (SES) zu analysieren?
Besonderes Merkmal des TSP 9 ist, dass eine sozial-ökologische Sichtweise auf den klimabedingten Biodiversitätswandel in den Mittelpunkt gestellt wird. Zentral ist, die gesellschaftliche Perspektive auf die Auswirkungen von Veränderungen bei der Nutzung und Reproduktion von ESS zu integrieren und auf das Management von SES zu beziehen. So kann nicht nur das aus den Naturwissenschaften in anderen TSP gewonnene Wissen mit sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpft werden, sondern auch die wissenschaftliche mit der nicht-wissenschaftlichen Expertise. Die Konzepte von ESS und Risiko werden ausgearbeitet, um Transformationsprozesse in SES besser verstehen, evaluieren und gestalten zu können. Klimaresilienz wird als wirksames Transformationsziel geprüft. Dies erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Resilienz-Konzept und seinen unterschiedlichen disziplinären Bedeutungen.
2. Welche Empfehlungen können für Politik und Praxis entwickelt werden, um ein nachhal-tiges Management von Ökosystemen zu fördern?
Im TSP 9 liefert die angewandte Forschung Empfehlungen für Politikinstrumente, übergreifende Strategien sowie regionale und lokale Managementoptionen, die ein nachhaltiges Biodiversitätsmanagement und damit die Sicherung und Entwicklung von ESS unterstützt. Der Ansatz ist, die oft schwerwiegenden und meist unüberschaubaren Risiken für Biodiversität und ESS durch klimatische Veränderungen ebenso zu untersuchen wie die sich ergebenden Chancen. Management und Politikinterventionen in die Dynamik von gemanagten Ökosystemen (als SES gefasst) können als Risikomanagement angesehen werden, z. B. mit dem Ziel, ihre Resilienz und Adaptivität an Biodiversitäts- und Klimawandel zu erhöhen. In der Biodiversitätsforschung ist diese risikobezogene Perspektive neu. Sie ist innovativ, weil sie einen problemorientierten Zugang zu klimabedingten Biodiversitätswandel eröffnet.
3. Wie können die identifizierten Transferinstrumente verbessert und optimiert werden, um gesellschaftliche Akteure bei Nutzung und Schutz von Biodiversität zu unterstützen?
Die integrativen Methoden des TSP benötigen einen transdisziplinären Dialog über Biodiversität und ESS, über die Auswirkungen menschlicher Interventionen auf Ökosysteme und über die Rolle des Klimawandels. Die entsprechende Forschung ist im Überschneidungsbereich verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft (Inter- und Transdisziplinarität) angesiedelt. Deshalb besteht die Notwendigkeit des Wissenstransfers zwischen den Wissenschaften und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das Ziel besteht darin, die wissenschaftlichen Grundlagen für den Wissenstransfer voranzubringen und die darin angewandten Methoden zu testen und zu verallgemeinern. Wissenstransfer ist dabei nicht nur verstanden als Prozess, der Ergebnisse übermittelt, sondern v.a. gemeinsames Lernen ermöglicht und Teil des problemorientierten Forschungsprozesses ist.